Lilith – Archetyp der Wilden Frau (Teil 6)


LILITHS BEDEUTUNG FÜR DIE FRAUEN VON HEUTE
Lilith ist ein Symbol der Frauenbewegung, welches die Männer viel mehr betrifft als die Frauen selbst, denn sie stellt den Mann und seine Rolle in der Gesellschaft in Frage. Sie versinnbildlicht den Protest gegen das patriarchale Weltbild und dient als Leitbild für das Streben nach Unabhängigkeit, Autonomie und Ganzheitlichkeit.
Lilith gilt als unversöhnliche Gegnerin der männlichen Machtherrschaft – Sie begleitet jede Frau, die aus Demütigung, Anpassung, Tyrannei und Unterwerfung ausbrechen will.
Wenn eine Frau die Lilith in sich verleugnet und statt dessen patriarchale Erwartungen jeglicher Art um der männlichen Anerkennung willen erfüllt, wird sie sie möglicherweise in ihrem Haß und ihrer Eifersucht auf unabhängigere Frauen kennenlernen – dann wird Lilith als “die andere Frau”, Konkurrentin und Femme fatale gefürchtet. Statt sich zu fragen, was sie in ihrem Leben und in ihrer Beziehung ändern könnte, um aus ihrer Unzufriedenheit herauszufinden, stilisiert sich die Frau zu einer Art rundum glücklichen Mutterfigur hoch und blickt gleichzeitig voller Verachtung auf die verführerische, freigeistige und gelehrte Lilith, die Gleichstellung mit dem Mann will.
Die weibliche Urkraft Lilith ist eine Kraft, die für sich steht, die zornig und zerstörerisch sein kann, weil sie so lange unterdrückt wurde, aber auch kreativ und heilsam, wenn sie einen Platz in unserem Leben bekommt.
Als innere Weisheit der Seele führt Lilith in die Tiefe des weiblichen, ganzheitlichen und zyklischen Wissens, welches die Verbundenheit mit den Elementen und allen Lebenwesen, mit allem Irdischen und Überirdischen, beinhaltet.
Ganz besonders in den Elementen Luft und Wasser ist Lilith zu Hause – Große Beweglichkeit und Flexibilität einerseits und anderseits eine außergewöhnliche Empfindsamkeit und Gefühlsintensität zeichnen sie aus. Das Wasser ernährt sie – Also kommen wir an ihre Eigenschaften heran, sobald die Gefühle fließen. Lilith kann als eine tiefgründige Gefühlsenergie verstanden werden, die uns hilft, unser Potential zu verwirklichen.
Sie bringt dich auch mit deinem kreativen Potential in Berührung – Ihr Wasserelement verleiht dir künstlerische Fähigkeiten und ihr Luftelement die Gabe der Kommunikation.

Aus der Sicht der weiblichen Mysterien ist Lilith vom Ufer des Roten Meeres, dem Ozean des Roten Blutes, die Göttin des Menstruationsblutes der Frauen. Als Muse der Menstruation ist sie natürlich auch die geheimnisvolle Göttin des Mondes und der Nacht. Besonders zur Zeit der abnehmenden und dunklen Mondphase, welche analog zur Menstruation gesehen wird, sind Liliths Kräfte am größten – Die dunkle Seite der Göttin bringt zerstörerische Energien hervor, vernichtet Altes und Verbrauchtes, um Neues zu erschaffen. Diese Eigenschaften lassen in ihr auch die Göttin des Todes und der Wiedergeburt erkennen.
Lilith ist die Urgöttin in all ihren Aspekten – Sie ist einerseits die ewig junge Verführerin und liebende Muse, die Verkörperung der weiblich-magischen, kreativen und formgebenden Schöpferinnenkraft, aber auch die Weise Alte und schwarze Königin der Unterwelt.
Gerade für Frauen ist es wichtig, die Mondkraft in all ihren Facetten zu erforschen, denn sie verkörpert das alte matriarchale Wissen der Urfrau und ihre intiuitve Naturverbundenheit – Eine Weisheit, die in jedem weiblichen Körper gespeichert ist.
Als Göttin des Lebens und des Todes ermöglicht Lilith den Frauen die Entwicklung ihrer Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und Autonomie. Das Herausarbeiten und Entwickeln ihres Lilith-Potentials befähigt eine Frau dazu, die Göttin in sich selbst zu gestalten, d.h. ihre eigene Schöpferin zu werden, frei von den äußeren Realitäten. Sie wird in der Lage sein, ihre eigene Wahrheit zu erkennen, sich aus Abhängigkeiten zu befreien und selbstbewusst ihren eigenen Weg zu gehen.
Lilith weckt die wahre Individualität in dir und duldet keinen Versuch, deinen inneren wesentlichen Werten untreu zu werden. Sie zerstört alles, was nicht deiner ursprünglichen Natur und deinem idealen Lebensweg entspricht, durchschneidet deine falschen Rollen, Absichten und Illusionen. Sie wird dich nicht zu deinen Zielen führen, indem sie offenbart, welche es sind, sondern indem sie alles beseitigt, was nichts damit zu tun hat. Lilith schließt alle falschen Türen. Sie hilft dir aber auch dabei, dein wahres, eigentliches Selbst voll und ganz zu verwirklichen, deine Lebensumstände zu verändern, zu wählen und zu bestimmen – Sie lässt dich erkennen, wer du wirklich bist.
Lilith ist die wilde, lustvolle und unbeugsame Symbolfigur für das eigenständige Weibliche in uns.

Frauen, in denen Lilith präsent ist, lieben ihre Freiheit und sind oft charismatische, extravagante, unabhängige und gebildete Persönlichkeiten. Sie wirken geheimnisvoll, verführerisch, anziehend und verlockend erotisch, andererseits aber auch rebellisch, widerspenstig, unbezähmbar und manchmal ein bisschen unheimlich.
Lilith ist die willensstarke, unabhängige Frau, die Selbstbestimmung, Offenheit und sexuelle Freiheit verkörpert -Sie ist frei, zügellos und ekstatisch in ihrer belebenden, pulsierenden, transformierenden Sexualität, die Erinnerungen an den ursprünglichen orgiastischen Aspekt der Großen Göttin wachruft. Lilith symbolisiert den wilden, freien und jungfräulichen (im Sinne von “keinem Mann gehörenden”) Aspekt der weiblichen Liebeskunst.
Gleichberechtigung im partnerschaftlichen und sexuellen Bereich ist für Lilith eine Selbstverständlichkeit – Sie würde nie mit einem Mann zusammenleben, der sie nicht als ebenbürtige Partnerin behandelt und hat kein Problem damit, aus einer Beziehung der Unterdrückung auszubrechen. Lilith sucht nach Wegen, sich zu binden, ohne ihre Unabhängigkeit zu opfern. Sie will die Freiheit, sich zu bewegen, sich zu verändern und sie selbst zu sein. Sie stellt sich nicht die Frage: “Mit wem gehe ich?”, sondern sie sagt: “Ich gehe meinen Weg, wer geht mit?”.
Auch das friedliche Zusammenleben der Völker wird von lilithschen Kräften maßgeblich beeinflusst – Es geht um die Gleichberechtigung aller Menschen, um die Gleichstellung der Nationen und den Abbau der Ungerechtigkeiten im Prozeß der Globalisierung.
Lilith ist der Inbegriff der starken, wilden, sinnlichen Großen Göttin – Wer sie einlädt zurückzukommen, erhält die Rückfahrkarte ins Paradies.

Lilith – Archetyp der Wilden Frau (Teil 5)


MYTHEN
In der Kabbala, der mystischen Tradition des Judentums, ist Lilith ein geflügelter Engel, der nach den Höhen der spirituellen Welt strebt und die göttliche Ur-Tora (Taro/Tarot) studiert – Sie ist die Leiter, die man bis zu den Stufen der Weissagung hinaufsteigen kann. Lilith überstrahlt alle anderen Engel an Größe und Weisheit. Sie kennt sogar den magischen Namen Gottes, steht also in enger, vertrauter Verbindung zu ihm – Das läßt darauf schließen, daß Lilith die Gemahlin Gottes ist, die Mutter von Adam und Eva, und damit die Mutter der Menschheit.
Lilith war von Anbeginn eine Schöpfergöttin. Alleine diese Tatsache kann den Christen und auch den Moslems nicht gefallen haben, wollten sie doch einen männlichen Herrschergott auf dem himmlischen Thron sehen.

Lilith wird häufig als die große Verführerin, das Sinnlich-Weibliche in Person, die Femme fatale der Mythen und Religionen beschrieben – ebenso wie Salomé, Ishtar, Aphrodite und Venus.
Salomé z.B. verkörpert als Hohepriesterin die mesopotamische Himmelsgöttin Ishtar. Ihre Ähnlichkeit mit Lilith ist in ihrem freien, verführerischen Ausdruck zu erkennen.
Liliths Schönheit und Sinnlichkeit finden wir auch in der griechischen Aphrodite und der römischen Venus wieder.
Liliths dunkle und zerstörerische Seite zeigt sich z.B. in den Aspekten der mesopotamischen Lamashtu, in Gestalten wie den griechischen Moiren, Gorgonen, Lamien und Empusen, der Medea und den nordischen Nornen.
Medea ist eine griechische Verwandte der Lilith, eine Heil- und Kräuterkundige, Synonym für starke Weiblichkeit und weibliches Selbstbewusstsein.
Die vampirähnlichen Lamien oder Empusen sind Kinder der Göttin Hekate und können ihre Gestalt verändern, z.B. in betörend schöne Frauen, in Schlangen oder Wölfe;
und ebenso wie Lilith wird ihnen nachgesagt, daß sie schlafende Männer verführen und ihnen das Blut aussaugen.
Die Gorgonen bilden wie viele Varianten der Großen Göttin eine Trinität und waren wie Lilith ursprünglich eine dreifache (Mond)-Göttin. Als Gestaltenwandlerinnen können auch sie die Gestalt von Schlangen annehmen.
Die griechischen Moiren sowie die nordischen Nornen sind je eine Dreiergruppe von Schicksalsgötttinnen, die auch den Mond in seinen drei Phasen symbolisieren.
Im Islam finden sich Lilith-ähnliche Wesen, die vor allem nachts aktiv sind. Sie heißen Umm al-Layl (“Mutter der Nacht”) und Quarina (“Die Gehörnte”).
Lilith wird auch manchmal mit der aus arabischen Mythen bekannten Königin von Saba verglichen.
In der hinduistischen Göttin Kali und der tibetischen schwarzen Dakini finden wir ebenfalls Parallelen zu Lilith.

LITERATUR
Liliths Wirkungsgeschichte reicht bis in die Märchen und Legenden hinein. Am bekanntesten ist wohl die Schilderung der Walpurgisnacht in Goethes “Faust”: Hier erscheint sie als große Verführerin und reitet zusammen mit den Hexen um den Blocksberg. Doktor Faust fragt während des zauberischen Treibens auf dem Blocksberg: “Wer ist denn das?” und Mephisto antwortet: “Lilith, Adams erstes Weib. Nimm dich in Acht vor ihren schönen Haaren, vor diesem Schuck, mit dem sie einzig prangt, tut sie damit den jungen Mann umfahren, so lässt sie ihn so bald nicht wieder fahren.”
Für die romantischen Dichter des 19. Jahrhunderts verkörperte Lilith as Bild der Frau als Femme fatale – verlockend, unwiderstehlich und todbringend.

Hier geht’s zum letzten Teil der Lilith-Reihe: Welche Bedeutung hat Lilith für die Frauen von heute?

Lilith – Archetyp der Wilden Frau (Teil 4)


GEFÄHRTEN
Samael, oder auch Azazel, ein satyr-ähnlicher Fruchtbarkeitsgott und Gebieter der Unterwelt, wird oft als Liliths Gefährte erwähnt. Er ist das hebräische Pendant zu den griechischen, römischen und keltischen Vegetations- und Fruchtbarkeitsgöttern Dionysos, Bacchus, Faunus, Pan, Herne und Cernunnos. Wie Samael erfuhren auch diese im Verlauf des christlichen Mittelalters eine negative Umdeutung, indem sie zum äußerlichen Vorbild für die christliche Mythologie-Gestalt des Teufels wurden.
Die junge Lilith ist die Partnerin von Ashmodai, der laut christlicher Dämonologie ebenfalls ein Höllenfürst wie Samuel und Azazel ist und die Menschen vom Pfad der Keuschheit abbringt. Frauen und Männer zur “Unzüchtigkeit” zu verführen, Begierde und Wolllust in ihnen zu erregen, waren, wie es aussieht, wohl seine einzigen “Vergehen”, was aus christlicher Sichtweise aber schon ausreicht, um ihn zu diffamieren – bei den Christen galt Unkeuschheit als Todsünde.
Entfernt man die christlichen Moralauffassungen, können wir auch in Ashmodai einen phallischen Fruchtbarkeitsgott erkennen, der in seiner Funktion perfekt zu Lilith passt.
In der Bibel wird der Erzengel Raphael von Gott gesandt, die abtrünnigen Engel Ashmodai, Samael und Azazel, jetzt als “böse Dämonen” bezeichnet, für ihr “Vergehen” zu bestrafen, indem er sie bindet, steinigt und in die Finsternis wirft …
An diesem Beispiel kann man sehr schön erkennen, wie weit sich das mittelalterlich-christliche Idealbild eines Menschen von der Natur entfernt hat.
Natürlich kommt auch Lilith in der christlichen Geschichtsschreibung nicht gut weg, verkörpert sie doch das weibliche Pendant der “dämonischen Incubi” Ashmodai, Samael und Azazel – den “Succubus”, ein mit einem Mann buhlender weiblicher Teufel. Sie wird als Hure Satans und Prinzessin der Hölle verunglimpft und ist demnach ebenso ein verstoßener und gefallener Engel wie ihre Gefährten.
Des Nachts soll sie als eine Art geflügelter Vampir allein schlafende Männer aufsuchen, um sie zu erregen und zu verführen. Es heißt, daß Lilith so kundig in der Liebe ist, daß ein Mann nach einer Erfahrung mit ihr nicht länger durch eine sterbliche Frau befriedigt werden kann.
Besonders für die christlichen Männer des Mittelalters wurde Lilith zum Inbegriff der verlockenden, begehrenswerten Frau und Projektionsfläche für ihre Ängste und verbotenen Gelüste – was, wie wir wissen, fatale Folgen für das weibliche Geschlecht hatte.

CHRISTLICHE LEGENDEN
Lilith war einst als untertänige Gattin für Adam eingeplant, wurde jedoch des Himmels verwiesen, als sie sich weigerte, dem Adam eine gehorsame Frau zu sein. Ihr Ungehorsam bestand darin, beim Sexualakt nicht unter ihm liegen zu wollen. Von Männern dominierte (bes. christliche und moslemische) Gesellschaften bestehen jedoch auf der “Missionarsstellung”, die den Mann zum Überlegenen macht. Jede andere Spielart ist für sie Sünde.
Lilith ist jedoch weder Christin noch Moslemin. Verärgert über Adams sexuelle Rücksichtslosigkeit flog sie zum Roten Meer, um sich einen anderen Geliebten zu suchen …
Gott, wahrscheinlich mittlerweile der Abtrünnigen überdrüssig, schickt mal wieder seine Engelsboten aus mit dem Auftrag, die Widerspenstige zurückzuholen – aber ohne Erfolg. Eigenständig und willensstark wie sie nun mal ist, mißachtet Lilith Gottes Befehl und bleibt lieber bei ihrem neuen und wilden Geliebten Samael am Roten Meer. So sah Gott sich gezwungen, Adam eine neue Frau an die Seite zu geben – Die liebliche und (vorerst noch) gefügige Eva.
Lilith ist es jedoch ein Bedürfnis, Frauen als selbständige, starke Wesen zu sehen und so schenkt sie Eva die Gabe der Neugier und verlockt sie, von der “verbotenen Frucht der Erkenntnis” zu kosten. Eva erlangt nun ebenfalls Bewusstsein und möchte, daß auch ihr Gefährte Adam wissend wird wie sie: So überredet sie ihn, auch von den Früchten des Baumes zu essen. Dann schreitet Gott ein, ist ärgerlich, weil Adam und Eva sich seinen Geboten widersetzt haben und wirft sie aus dem Paradies, d.h. sie werden jetzt sterblich.
Lilith jedoch ist nicht vom Sündenfall betroffen und hat sich somit ihre Unsterblichkeit bewahrt.
Teil 5: Lilith in Mythen und Literatur

Lilith – Archetyp der Wilden Frau (Teil 3)


TIERVERBÜNDETE + SYMBOLPFLANZEN
Liliths Symboltier ist die Eule, die auch auf der Terracotta-Abbildung zu sehen ist und was man aus diversen alten Texten entnehmen kann. Besonders häufig wird sie mit der Schleiereule assoziiert, die Liliths Weisheit und Nachtsicht versinnbildlicht. Wie die Eule kann sie sehen, was im Verborgenen liegt. Sie weiß etwas von der Welt der Schatten.

Die Schlange gilt als Personifikation ihrer ungebändigten Lebenskraft, die nicht bezähmt werden kann und die in jedem von uns steckt, wenn wir sie nur freilegen.
Das gleiche Phänomen finden wir in den indischen Mythen, wo die Schlange mit der Kundalini-Energie in Verbindung gebracht wird.
Das Bild der Bibel, in dem Lilith als verführerische Schlange der Eva den Apfel überreicht, können wir so verstehen, daß ihr sehr daran gelegen ist, die Menschen in die sexuellen Mysterien der zusammengerollten Kundalinischlange einzuweihen und ihnen somit Erkenntnis zu schenken.
Die Häutung der Schlange ist eine Metapher für tiefe Wandlung und Transformation.
Liliths Blume ist die Lilu, bzw. die Lilie oder der Lotus. In Indien gilt der Lotus als Symbol der weiblichen Fruchtbarkeit, der Wiedergeburt und der spirituellen Reinheit.
AUFENTHALTSORTE
In den altsumerischen Mythen wohnt Lilith im Kiskin-, bzw. Huluppu-Baum. Damit ist der Lebens- und Weltenbaum im mesopotamisch-kosmologischen Verständnis gemeint.
Welcher Art dieser Baum ist, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.
Am häufigsten wird er als Palme, Apfel- oder Weidenbaum dargestellt.
Laut Legende soll sie am Ufer des Roten Meeres verweilt haben. Dies ist jedoch höchstwahrscheinlich als Metapher zu verstehen, da Lilith als Muse der Menstruation gilt.
Oft wird auch behauptet, daß sie mit ihren Tieren, ihrem Geliebten Azazel und satyr-, bzw. ziegenähnlichen Naturwesen der Wildnis, den Se’irim, die Ruinen und einsamen Plätze am Rande der Zivilisation bevölkert und dort ihr “Unwesen” treibt. Es heißt, sie berauschen sich, tanzen wild und machen nachts Jagd auf Männer und Frauen, die sie verführen und denen sie dann das Blut aussaugen …
Was davon zu halten ist, mehr Informationen zu ihren Gefährten und zur biblischen Lilith gibt es im 4. Teil der Lilith-Reihe.

Lilith – Archetyp der Wilden Frau (Teil 2)


DARSTELLUNG
Aus dem sumerisch-babylonischen Kulturkreis stammt die wohl älteste Darstellung Liliths (ca. 1800-1750 v.u.Z.) – Eine Abbildung aus Terracotta, auf der man ihren Status als Göttin in der sumerischen Religion erkennen kann:
Diese Abbildung zeigt Lilith als Vogelfrau und Gebieterin der Tiere – Ihr wohlgeformter Körper ist nackt, sie hat Eulenflügel und -füße mit kräftigen Krallen und steht auf zwei Löwen. Rechts und links neben ihr sind zwei Eulen, ihre Symboltiere.
Auf dem Kopf trägt sie eine vierfachte Hörnerkrone, eine gehörnte Tiara, die sie als Göttin ausweist. Solche Kronen waren in der sumerisch-akkadischen Symbolik allein Gottheiten vorbehalten.
In den Händen hält sie einen Stab und einen Ring – Symbole der Macht und der Gerechtigkeit, aber auch archetypische Symbole für Penis und Vagina/Uterus.
An ihren Krallen und den Flügeln kann man gut erkennen, daß sie ein Wesen des Himmels ist. Flügel gehören schon seit jeher zu den Attributen bedeutender Göttinnen.
Umgeben von Löwen als ihre Beschützer und von Eulen, die ihre Weisheit der Nacht versinnbildlichen, ist Lilith die Tierseele der Welt, die mit jedem Lebewesen verbunden ist.
Die grössten und bedeutensten der Göttinnen hatten Löwen als Begleiter – In Indien reitet Maya auf einem Löwen, der Wagen der kleinasiatischen Göttin Kybele wird von einem Löwen gezogen, Isis in ihrer zornvollen Gestalt verwandelt sich zur löwenköpfige Sekhmet, Inanna, die oberste Göttin der Sumerer, sitzt auf einem Löwenthron.
Selbst heute noch verbindet man mit dem Löwen eine machtvolle Präsenz, Würde und Erhabenheit.

Farbreste auf der Terracotta-Plakette weisen darauf hin, daß die Göttin ursprünglich einen roten Körper hatte, die Flügel sowie die Mähnen der Löwen waren schwarz, die Flügel der Eulen abwechselnd rot und schwarz.

Teil 3: Mehr Informationen zu Liliths Tierverbündeten

Lilith – Archetyp der wilden Frau (Teil 1)


URSPRÜNGE
Lilith gilt als Vorbildfigur für die selbstbewusste, starke, emanzipierte und unabhängige Frau, die ihren eigenen Weg geht. Sie ist eine matriarchale Göttin und gleichzeitig auch die unbeugsame erste Frau auf Erden. Lilith gilt als Symbol der Frauenbewegung und ist in jüdisch-feministischer Theologie nach wie vor der Inbegriff einer positiven, gelehrten und starken Frau. Für die Anhängerinnen des Neuheidentums ist Lilith die Königin der Hexen und ihre schönen Töchter und Priesterinnen, die Lilim, werden als “Nachthexen” bezeichnet.
Um Lilith ranken sich viele mehr oder weniger wilde Geschichten. Wollen wir uns mal die Ursprünge ansehen – Wo kommt Lilith her und was war sie, bevor sie von Christen, Satanisten und Fantasy-Autoren/Filmproduzenten so negativ umgedeutet wurde?
Der Ursprung Liliths ist in den frühen Hochkulturen des alten Nahen Ostens zu suchen, in den sumerischen, mesopotamischen, babylonischen, assyrischen und hebräischen Mythen. Ihre frühesten Assoziationen verweisen auf Ninlil, die sumerische Schöpfungsgöttin und Herrin der Luft, die den Mond im Dunkel der Unterwelt gebar. Lilith ist demnach aus der großen geflügelten Vogelgöttin hervorgegangen und ist eine Luftgöttin.
In den alten Schriften taucht sie unter verschiedenen Namen und Abwandlungen auf:
SUMER + MESOPOTAMIEN
→ Lil (“Wind”), auch Lillu oder Lillum – Die Große Göttin, Luftgöttin
→ Lilitu – Die freudvolle, strahlende Königin des Himmels, die im Wipfel des Weltenbaumes (Baum des Lebens, Kiskin, Kiskanu, Huluppu) wohnt
→ Ardat-lili (“Windsbraut”)
→ Belet-ili oder Belili – Schöpfergöttin, Gebär-Mutter, Mutter aller Götter und Menschen
→ Le-el-lu-um (“Nächtlicher Schutzwind)
→ Lil-lake – Tochter der Dunkelheit
→ Ki-sikil-lil-la (“Reiner Ort des Windes”) – Sie lebt zum Zeitpunkt der Schöpfung ruhelos und ohne festen Wohnsitz
→ Dnin-nin-na – Die Göttin der Eulen
SYRIEN
→ Ba-alat (“Gebieterin”, “Königin”) – Verkörpert durch einen Meteoriten
ISRAEL
→ Lilit (“Göttin des Windes in großer Höhe”)
→ Lilith (“Die Nächtliche”, “Die im Schatten verweilende Schleiereule”)
→ Laila (“Nacht”)
→ Naamah, Naama oder Naema (“lieblich”, “wohltuend”, “Das schöne Mädchen”) – Lilith in ihrem Mädchenaspekt

Teil 2: Die wohl älteste Darstellung Liliths

Die Wilde Frau


Wer ist sie, die Wilde Frau?
Was genau ist eine Wilde Frau?
Die Wilde Frau lebt in jeder Frau, ob jung oder alt.
In unserer modernen Zeit fristet sie jedoch meist eher ein Schattendasein, da wir gelernt haben, uns anzupassen, ja nicht aufzufallen, und schon gar nicht unangenehm.
Der Wilden Frau ist das aber egal. Sie macht, was sie will und wann sie will.
Sie unterwirft sich keinen menschengemachten Regeln.
Die Wilde Frau lebt im Kreislauf der Natur, denn sie ist ein Teil von ihr – wir alle sind ein Teil der Natur, was viele Menschen aber nicht wahrhaben wollen.
Was uns die Mißachtung der Natur eingebracht hat, kann man ja sehen:
Umweltverschmutzung, ausgebeutete Meere voller Plastik, Klimawandel, Artensterben, usw.
Ich denke, ihr wisst, was ich meine.
Es ist höchste Zeit, dass wir die Wilde Frau wieder in uns erwecken!

Ich möchte hier einen Raum für die Wilde Frau schaffen und die Zusammenhänge aufzeigen zwischen uns Menschenfrauen und der Natur – Wir sind alle eins, eingebunden in den Kreislauf der Erde und des Universums.
Machen wir uns also auf die Reise!