Lilith – Archetyp der Wilden Frau (Teil 3)


TIERVERBÜNDETE + SYMBOLPFLANZEN
Liliths Symboltier ist die Eule, die auch auf der Terracotta-Abbildung zu sehen ist und was man aus diversen alten Texten entnehmen kann. Besonders häufig wird sie mit der Schleiereule assoziiert, die Liliths Weisheit und Nachtsicht versinnbildlicht. Wie die Eule kann sie sehen, was im Verborgenen liegt. Sie weiß etwas von der Welt der Schatten.

Die Schlange gilt als Personifikation ihrer ungebändigten Lebenskraft, die nicht bezähmt werden kann und die in jedem von uns steckt, wenn wir sie nur freilegen.
Das gleiche Phänomen finden wir in den indischen Mythen, wo die Schlange mit der Kundalini-Energie in Verbindung gebracht wird.
Das Bild der Bibel, in dem Lilith als verführerische Schlange der Eva den Apfel überreicht, können wir so verstehen, daß ihr sehr daran gelegen ist, die Menschen in die sexuellen Mysterien der zusammengerollten Kundalinischlange einzuweihen und ihnen somit Erkenntnis zu schenken.
Die Häutung der Schlange ist eine Metapher für tiefe Wandlung und Transformation.
Liliths Blume ist die Lilu, bzw. die Lilie oder der Lotus. In Indien gilt der Lotus als Symbol der weiblichen Fruchtbarkeit, der Wiedergeburt und der spirituellen Reinheit.
AUFENTHALTSORTE
In den altsumerischen Mythen wohnt Lilith im Kiskin-, bzw. Huluppu-Baum. Damit ist der Lebens- und Weltenbaum im mesopotamisch-kosmologischen Verständnis gemeint.
Welcher Art dieser Baum ist, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.
Am häufigsten wird er als Palme, Apfel- oder Weidenbaum dargestellt.
Laut Legende soll sie am Ufer des Roten Meeres verweilt haben. Dies ist jedoch höchstwahrscheinlich als Metapher zu verstehen, da Lilith als Muse der Menstruation gilt.
Oft wird auch behauptet, daß sie mit ihren Tieren, ihrem Geliebten Azazel und satyr-, bzw. ziegenähnlichen Naturwesen der Wildnis, den Se’irim, die Ruinen und einsamen Plätze am Rande der Zivilisation bevölkert und dort ihr “Unwesen” treibt. Es heißt, sie berauschen sich, tanzen wild und machen nachts Jagd auf Männer und Frauen, die sie verführen und denen sie dann das Blut aussaugen …
Was davon zu halten ist, mehr Informationen zu ihren Gefährten und zur biblischen Lilith gibt es im 4. Teil der Lilith-Reihe.

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Lilith – Archetyp der Wilden Frau (Teil 2)


DARSTELLUNG
Aus dem sumerisch-babylonischen Kulturkreis stammt die wohl älteste Darstellung Liliths (ca. 1800-1750 v.u.Z.) – Eine Abbildung aus Terracotta, auf der man ihren Status als Göttin in der sumerischen Religion erkennen kann:
Diese Abbildung zeigt Lilith als Vogelfrau und Gebieterin der Tiere – Ihr wohlgeformter Körper ist nackt, sie hat Eulenflügel und -füße mit kräftigen Krallen und steht auf zwei Löwen. Rechts und links neben ihr sind zwei Eulen, ihre Symboltiere.
Auf dem Kopf trägt sie eine vierfachte Hörnerkrone, eine gehörnte Tiara, die sie als Göttin ausweist. Solche Kronen waren in der sumerisch-akkadischen Symbolik allein Gottheiten vorbehalten.
In den Händen hält sie einen Stab und einen Ring – Symbole der Macht und der Gerechtigkeit, aber auch archetypische Symbole für Penis und Vagina/Uterus.
An ihren Krallen und den Flügeln kann man gut erkennen, daß sie ein Wesen des Himmels ist. Flügel gehören schon seit jeher zu den Attributen bedeutender Göttinnen.
Umgeben von Löwen als ihre Beschützer und von Eulen, die ihre Weisheit der Nacht versinnbildlichen, ist Lilith die Tierseele der Welt, die mit jedem Lebewesen verbunden ist.
Die grössten und bedeutensten der Göttinnen hatten Löwen als Begleiter – In Indien reitet Maya auf einem Löwen, der Wagen der kleinasiatischen Göttin Kybele wird von einem Löwen gezogen, Isis in ihrer zornvollen Gestalt verwandelt sich zur löwenköpfige Sekhmet, Inanna, die oberste Göttin der Sumerer, sitzt auf einem Löwenthron.
Selbst heute noch verbindet man mit dem Löwen eine machtvolle Präsenz, Würde und Erhabenheit.

Farbreste auf der Terracotta-Plakette weisen darauf hin, daß die Göttin ursprünglich einen roten Körper hatte, die Flügel sowie die Mähnen der Löwen waren schwarz, die Flügel der Eulen abwechselnd rot und schwarz.

Teil 3: Mehr Informationen zu Liliths Tierverbündeten

Lilith – Archetyp der wilden Frau (Teil 1)


URSPRÜNGE
Lilith gilt als Vorbildfigur für die selbstbewusste, starke, emanzipierte und unabhängige Frau, die ihren eigenen Weg geht. Sie ist eine matriarchale Göttin und gleichzeitig auch die unbeugsame erste Frau auf Erden. Lilith gilt als Symbol der Frauenbewegung und ist in jüdisch-feministischer Theologie nach wie vor der Inbegriff einer positiven, gelehrten und starken Frau. Für die Anhängerinnen des Neuheidentums ist Lilith die Königin der Hexen und ihre schönen Töchter und Priesterinnen, die Lilim, werden als “Nachthexen” bezeichnet.
Um Lilith ranken sich viele mehr oder weniger wilde Geschichten. Wollen wir uns mal die Ursprünge ansehen – Wo kommt Lilith her und was war sie, bevor sie von Christen, Satanisten und Fantasy-Autoren/Filmproduzenten so negativ umgedeutet wurde?
Der Ursprung Liliths ist in den frühen Hochkulturen des alten Nahen Ostens zu suchen, in den sumerischen, mesopotamischen, babylonischen, assyrischen und hebräischen Mythen. Ihre frühesten Assoziationen verweisen auf Ninlil, die sumerische Schöpfungsgöttin und Herrin der Luft, die den Mond im Dunkel der Unterwelt gebar. Lilith ist demnach aus der großen geflügelten Vogelgöttin hervorgegangen und ist eine Luftgöttin.
In den alten Schriften taucht sie unter verschiedenen Namen und Abwandlungen auf:
SUMER + MESOPOTAMIEN
→ Lil (“Wind”), auch Lillu oder Lillum – Die Große Göttin, Luftgöttin
→ Lilitu – Die freudvolle, strahlende Königin des Himmels, die im Wipfel des Weltenbaumes (Baum des Lebens, Kiskin, Kiskanu, Huluppu) wohnt
→ Ardat-lili (“Windsbraut”)
→ Belet-ili oder Belili – Schöpfergöttin, Gebär-Mutter, Mutter aller Götter und Menschen
→ Le-el-lu-um (“Nächtlicher Schutzwind)
→ Lil-lake – Tochter der Dunkelheit
→ Ki-sikil-lil-la (“Reiner Ort des Windes”) – Sie lebt zum Zeitpunkt der Schöpfung ruhelos und ohne festen Wohnsitz
→ Dnin-nin-na – Die Göttin der Eulen
SYRIEN
→ Ba-alat (“Gebieterin”, “Königin”) – Verkörpert durch einen Meteoriten
ISRAEL
→ Lilit (“Göttin des Windes in großer Höhe”)
→ Lilith (“Die Nächtliche”, “Die im Schatten verweilende Schleiereule”)
→ Laila (“Nacht”)
→ Naamah, Naama oder Naema (“lieblich”, “wohltuend”, “Das schöne Mädchen”) – Lilith in ihrem Mädchenaspekt

Teil 2: Die wohl älteste Darstellung Liliths