Lilith – Archetyp der Wilden Frau (Teil 5)


MYTHEN
In der Kabbala, der mystischen Tradition des Judentums, ist Lilith ein geflügelter Engel, der nach den Höhen der spirituellen Welt strebt und die göttliche Ur-Tora (Taro/Tarot) studiert – Sie ist die Leiter, die man bis zu den Stufen der Weissagung hinaufsteigen kann. Lilith überstrahlt alle anderen Engel an Größe und Weisheit. Sie kennt sogar den magischen Namen Gottes, steht also in enger, vertrauter Verbindung zu ihm – Das läßt darauf schließen, daß Lilith die Gemahlin Gottes ist, die Mutter von Adam und Eva, und damit die Mutter der Menschheit.
Lilith war von Anbeginn eine Schöpfergöttin. Alleine diese Tatsache kann den Christen und auch den Moslems nicht gefallen haben, wollten sie doch einen männlichen Herrschergott auf dem himmlischen Thron sehen.

Lilith wird häufig als die große Verführerin, das Sinnlich-Weibliche in Person, die Femme fatale der Mythen und Religionen beschrieben – ebenso wie Salomé, Ishtar, Aphrodite und Venus.
Salomé z.B. verkörpert als Hohepriesterin die mesopotamische Himmelsgöttin Ishtar. Ihre Ähnlichkeit mit Lilith ist in ihrem freien, verführerischen Ausdruck zu erkennen.
Liliths Schönheit und Sinnlichkeit finden wir auch in der griechischen Aphrodite und der römischen Venus wieder.
Liliths dunkle und zerstörerische Seite zeigt sich z.B. in den Aspekten der mesopotamischen Lamashtu, in Gestalten wie den griechischen Moiren, Gorgonen, Lamien und Empusen, der Medea und den nordischen Nornen.
Medea ist eine griechische Verwandte der Lilith, eine Heil- und Kräuterkundige, Synonym für starke Weiblichkeit und weibliches Selbstbewusstsein.
Die vampirähnlichen Lamien oder Empusen sind Kinder der Göttin Hekate und können ihre Gestalt verändern, z.B. in betörend schöne Frauen, in Schlangen oder Wölfe;
und ebenso wie Lilith wird ihnen nachgesagt, daß sie schlafende Männer verführen und ihnen das Blut aussaugen.
Die Gorgonen bilden wie viele Varianten der Großen Göttin eine Trinität und waren wie Lilith ursprünglich eine dreifache (Mond)-Göttin. Als Gestaltenwandlerinnen können auch sie die Gestalt von Schlangen annehmen.
Die griechischen Moiren sowie die nordischen Nornen sind je eine Dreiergruppe von Schicksalsgötttinnen, die auch den Mond in seinen drei Phasen symbolisieren.
Im Islam finden sich Lilith-ähnliche Wesen, die vor allem nachts aktiv sind. Sie heißen Umm al-Layl (“Mutter der Nacht”) und Quarina (“Die Gehörnte”).
Lilith wird auch manchmal mit der aus arabischen Mythen bekannten Königin von Saba verglichen.
In der hinduistischen Göttin Kali und der tibetischen schwarzen Dakini finden wir ebenfalls Parallelen zu Lilith.

LITERATUR
Liliths Wirkungsgeschichte reicht bis in die Märchen und Legenden hinein. Am bekanntesten ist wohl die Schilderung der Walpurgisnacht in Goethes “Faust”: Hier erscheint sie als große Verführerin und reitet zusammen mit den Hexen um den Blocksberg. Doktor Faust fragt während des zauberischen Treibens auf dem Blocksberg: “Wer ist denn das?” und Mephisto antwortet: “Lilith, Adams erstes Weib. Nimm dich in Acht vor ihren schönen Haaren, vor diesem Schuck, mit dem sie einzig prangt, tut sie damit den jungen Mann umfahren, so lässt sie ihn so bald nicht wieder fahren.”
Für die romantischen Dichter des 19. Jahrhunderts verkörperte Lilith as Bild der Frau als Femme fatale – verlockend, unwiderstehlich und todbringend.

Hier geht’s zum letzten Teil der Lilith-Reihe: Welche Bedeutung hat Lilith für die Frauen von heute?

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Lilith – Archetyp der Wilden Frau (Teil 3)


TIERVERBÜNDETE + SYMBOLPFLANZEN
Liliths Symboltier ist die Eule, die auch auf der Terracotta-Abbildung zu sehen ist und was man aus diversen alten Texten entnehmen kann. Besonders häufig wird sie mit der Schleiereule assoziiert, die Liliths Weisheit und Nachtsicht versinnbildlicht. Wie die Eule kann sie sehen, was im Verborgenen liegt. Sie weiß etwas von der Welt der Schatten.

Die Schlange gilt als Personifikation ihrer ungebändigten Lebenskraft, die nicht bezähmt werden kann und die in jedem von uns steckt, wenn wir sie nur freilegen.
Das gleiche Phänomen finden wir in den indischen Mythen, wo die Schlange mit der Kundalini-Energie in Verbindung gebracht wird.
Das Bild der Bibel, in dem Lilith als verführerische Schlange der Eva den Apfel überreicht, können wir so verstehen, daß ihr sehr daran gelegen ist, die Menschen in die sexuellen Mysterien der zusammengerollten Kundalinischlange einzuweihen und ihnen somit Erkenntnis zu schenken.
Die Häutung der Schlange ist eine Metapher für tiefe Wandlung und Transformation.
Liliths Blume ist die Lilu, bzw. die Lilie oder der Lotus. In Indien gilt der Lotus als Symbol der weiblichen Fruchtbarkeit, der Wiedergeburt und der spirituellen Reinheit.
AUFENTHALTSORTE
In den altsumerischen Mythen wohnt Lilith im Kiskin-, bzw. Huluppu-Baum. Damit ist der Lebens- und Weltenbaum im mesopotamisch-kosmologischen Verständnis gemeint.
Welcher Art dieser Baum ist, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.
Am häufigsten wird er als Palme, Apfel- oder Weidenbaum dargestellt.
Laut Legende soll sie am Ufer des Roten Meeres verweilt haben. Dies ist jedoch höchstwahrscheinlich als Metapher zu verstehen, da Lilith als Muse der Menstruation gilt.
Oft wird auch behauptet, daß sie mit ihren Tieren, ihrem Geliebten Azazel und satyr-, bzw. ziegenähnlichen Naturwesen der Wildnis, den Se’irim, die Ruinen und einsamen Plätze am Rande der Zivilisation bevölkert und dort ihr “Unwesen” treibt. Es heißt, sie berauschen sich, tanzen wild und machen nachts Jagd auf Männer und Frauen, die sie verführen und denen sie dann das Blut aussaugen …
Was davon zu halten ist, mehr Informationen zu ihren Gefährten und zur biblischen Lilith gibt es im 4. Teil der Lilith-Reihe.